Bewegungstherapie für Tiere nach der Feldenkrais-Methode

Als bfb-Master Praktitioner arbeite ich vorwiegend mit Katzen, Hunden und Pferden zusammen. Meist geht es darum einschränkende Schonhaltungen, auf sanfte Weise, zu verändern. Gerade nach Operationen, Unfällen oder im Alter schleichen sich unangenehme Körperhaltungen ein. Das kann sich von Tier zu Tier ganz unterschiedlich äussern. Über Lahmheiten, flache Atmung bis hin zu ängstlichem oder agressiven Verhalten ist alles möglich. Mit meiner Arbeit ermögliche ich dem Tier vergessene Bewegungsabläufe wieder zu erlernen und schaffe somit einen besseren Lebenszustand.

Jedes Tier wird ganzheitlich betrachtet und individuell behandelt. Es gibt keine festen Behandlungsabläufe. Die Behandlungen müssen angenehm sein. Unter Stress ist lernen nur sehr eingeschränkt moeglich. Das Tier muss sich sicher sein, dass seine Grenzen respektiert und geachtet werden. Nur wenn sich alle Beteiligten, Tier, Besitzer und Behandler wohl fühlen kann sich der gewünschte Erfolg einstellen.

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Feldenkrais-Arbeit mit Tieren, am Beispiel von Pferden

Die Arbeit mit Tieren unterscheidet sich kaum von der Arbeit mit Menschen. Die Grundhaltung einem Tier gegenüber, ist die Gleiche wie bei der Einzelarbeit mit einem Menschen. Vielleicht sogar etwas feiner. Die Vorgehensweise während der Arbeit ist sehr ähnlich. Allerdings reagieren Tiere sehr schnell und klar auf die Berührungsqualität und die eigene, innere Einstellung. Bin ich unklar, unsicher oder prüfend in dem was ich mache, weichen die Tiere recht schnell. Sie wollen nicht weiter berührt werden. Sie sorgen für sich und entziehen sich der Situation. Sie nehmen auch Abstand, wenn ihnen der gewählte Zugang der Berührung, unpassend erscheint. Dieser Vertrauensvorschuss ist die Voraussetzung für ein stressfreies, respektvolles, ruhiges lernen während der Arbeit. Sie wollen vollste Präsenz, dann sind sie bereit, mit all ihren Sinnen zu erleben, was wir ihnen anbieten. Wird das Tier gemaßregelt, korrigiert, fest gehalten,…. wird keine brauchbare Lernsituation entstehen.
Ich schätze diese Arbeit sehr. Tiere gehen keine Kompromisse ein, die FI muss für sie "stimmig" sein, sonst entziehen sie sich unseren Händen, unserer Gegenwart. Tiere sind neu-und wissbegierig, brauchen aber einen Rahmen, der Sicherheit und einen respektvollen Umgang sicher stellt, dann wird Lernen tierisch einfach.

Was macht die Präsenz tatsächlich aus, was braucht es dazu?

Ich schaffe mir den bestmöglichen "Lernraum". Es besteht ein Beziehungsdreieck zwischen Tierbesitzer, Tier und Feldenkraislehrer. Dazu kommen äußere Gegebenheiten, wie die Unterbringung, die Nähe zu anderen Pferden, Fütterungszeiten, Stimmungslagen, Wetterlagen,…..
Störfaktoren, sind nicht alle ab zu stellen, aber je weniger das Tier und die arbeitende Person "ausblenden" muss, umso mehr Energie bleibt für das Miteinander. Meine Präsenz erreiche ich, wenn ich in meinem optimierten "Lernraum", mit meinen Gedanken und Sinneswahrnehmungen ganz bei mir bin. Ich tauche ein Stück weit in die Gefühlswelt und den Körper des Tieres ein. Wie fühlt es sich, in seinem Körper an.

Was macht die Einzelarbeit "stimmig" ?

Das Tier wird betrachtet, wie gibt es sich, wie ist seine Körperhaltung, die Ausstrahlung, wie ist das Gangbild, wo sind fließende Bewegungen sichtbar, wo eingeschränkte Bereiche der Bewegung, was kann ein möglicher Zugang für Annäherung und Berührung sein, was ist meine Grundidee der gemeinsamen Arbeit? Was geschieht durch meine Berührung? Die Rückmeldung über das Skelett , die Haut, das Gewebe, der Muskulatur, dem Verhalten des Tieres, oder wahrnehmbare Veränderungen über meinen Körperkontakt oder mein Sehen, geben Aufschluss über den Berührungseffekt. Es können sich Dinge einstellen wie: Veränderte Atmung, die tiefer , fließender oder auch Raumgreifender wird, Knochen die unklar tastbar waren und dann immer besser tastbar werden, Verbindungen die von Knochen zu Knochen oder Bereich zu Bereich entstehen und bei der Bewegung gefühlt werden können (Bewegung pflanzt sich fort), Bewegungen können leichter und fließender werden. Tiere atmen oft tief ein oder kauen, schlecken, gähnen, wenn sich große Veränderung einstellt.
Wenn eine Art Kommunikation über den Körperkontakt entsteht, wird es für mich "stimmig".

Wie gehe ich genau vor?

Ich erkundige mich zu Beginn der Arbeit beim Tierbesitzer nach dem Veränderungswunsch für das Tier. Frage ab, wie das Pferd geritten wird (Freizeit, Klassisch, Western, Distanz,…) und welche Arbeit sonst mit dem Tier gemacht wird. Ob akute Einschränkungen durch Unfälle vorliegen oder ob es sonstige Vorkrankheiten gibt. Während der Unterhaltung kann die Beziehung von Pferd und Halter beobachtet werden. Wie ist der Umgang, der Zugang, das Miteinander. Ich mache mir mein erstes Bild der Beziehung, des Charakters des Tieres, seines Bewegungmusters und prüfe, ob meine Lernidee zum Veränderungswunsch des Tierhalters passt. Meist sehe ich mir das Tier noch in Bewegung an, dazu wird es einige Meter im Schritt geführt. Wendungen können auch Aufschlussreich sein.
Zur Arbeit selbst, lasse ich das Pferd angebunden oder vom Besitzer gehalten sein. Bei ruhigen Pferden ist auch ein freies stehen möglich. Ich bespreche meine Lernidee mit dem Tierbesitzer und starte mit der Arbeit.

Den passenden Zugang für die erste Annäherung und Berührung suche ich individuell aus. Auch die Stärke der Berührung passe ich sehr individuell an. Ist die gewählte Vorgehensweise nicht passend, wird das Pferd weichen, selbst wenn die eigene Absicht und Haltung stimmig sind.
Das Pferd steigt meist schnell in die Einzelarbeit ein, wenn es Berührungen und Bewegungen wahrnimmt, die ihm gut tun. Ich arbeite mich über diese Komfortzonen vor. Sehe was sich weiter an Bewegung verändert oder entwickelt. Das können neue Zugangsbereiche oder Bewegungsthemen sein. Häufig verringern oder lösen sich Einschränkungen schon durch verstärkende Arbeit der Bewegung, auf der gegenüberliegenden, " gut gehenden" Seite.
Klären des Skelettes, Raumgewinn durch Einschränkung, Verbinden der vorhandenen Bewegungsabschnitte, Stützen und vieles mehr, kann wunderbar angewandt werden.
Ich behalte während meiner Arbeit die Lernidee im Hinterkopf, treten aber während der Arbeit wichtige andere Themen in den Vordergrund, widme ich mich ihnen trotzdem und sehe ob sie sich später in die Lernidee integrieren lassen.

Nach der Arbeit bespreche ich einzelnen Veränderungen mit dem Tierbesitzer, animiere aber auch dazu sie selbst wahr zu nehmen. Während der Arbeit unterhalte ich mich kaum. In dieser Zeit ist meine Aufmerksamkeit ganz beim Tier.

Für die möglichen FI Schritte kann es hilfreich sein, den Stand des Pferdes mit einem Vierfüßler Stand beim Menschen zu vergleichen. Allerdings gibt es auch noch die eine oder andere Anatomische Abweichung des Skelettes und der Muskulatur, die bedacht werden sollten. Viele Skelett Bauteile und deren Anordnung sind aber bei Pferd, Hund, Katze und Mensch sehr ähnlich. Für die Muskulatur gilt das Gleiche.
Ohne ein Ablaufschema für die Einzelarbeit zu haben, gibt es häufig Themen, die bei Pferden unter beritt ähnlich sind. Das können sein: Kiefer und HWS Bezüge, Gewichtsverteilung auf den vier Hufen und Nutzung der Beine, Einschränkungen bis hin zu Schwellungen an Brustbein und Rippen, gehaltene Bauch und Rückenmuskulatur, unterschiedliche Möglichkeit der Beckenbewegung rechts und links, damit auch eine unterschiedliche Schrittlänge. Viele dieser Themen können durch die Sattellage, das Zaumzeug und den Reiter bedingt sein.

Pferde sind besonders feine Tiere. Sie erkennen meist recht schnell welche Absicht der Mensch hat.
Die Feldenkrais-Arbeit mit ihnen ist sehr bereichernd, weil durch den respektvollen, würdigen Umgang häufig Situationen entstehen, die außergewöhnlich sind. Es stellt sich eine Ruhe, ein Vertrauen und eine besondere Bewusstheit ein, die meist auch vom Umfeld wahr genommen wird und manchmal zum Nachdenken anregt.